Aktuelle Zahlen zu Kanada-, Grau- und Nilgänsen für 2025 in NRW

Was sind eigentlich die aktuellsten Zahlen zu den Kanada-, Grau- und Nilgänsen in NRW?

Um diese Frage zu beantworten, braucht es echte Menschen mit Sachverstand, die sich an die freie Luft bewegen und Vögel zählen. Und dann braucht es natürlich auch kompetente Menschen, die diese Zahlen zusammenführen und auswerten. Die liebe KI kann das meiste hiervon nicht (dieser Seitenhieb sei erlaubt). Genau diese Arbeiten werden von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) organisiert und in einem schönen Bericht dokumentiert. Über 300 Ornithologinnen beteiligen sich and der Erfassung.

Die Daten über Gänse sind nicht nur für Biologinnen interessant sondern für alle, die wissen wollen, wie sich unsere Umwelt ändert und diese Antwort nicht in ihren social media feeds suchen (dieser zweite Seitenhieb musste ebenfalls sein).

Hier möchte ich ganz kurz einige Ergebnisse aufgreifen und verweise für weitere – insbesondere methodische Details – auf den Bericht der NWO.

Die  Bestände aller Gänse insgesamt wuchsen von 27.122 in 2011 auf 67.300 in 2025 und haben sich damit mehr als verdoppelt. Aber warum? Nun dies ist zum großen Teil darin begründet, dass schlicht die durch die Erfassung abgedeckte Fläche über die Jahre hinweg zugenommen hat, also die Anzahl der erfassten Quadranten. Allerdings ist die Zunahme der erfassten Quadranten in den letzten Jahren deutlich abgeflacht, während die Zahl der Gänse weiter angestiegen ist. Hier könnte also in der Tat eine wirkliche Zunahme der Gänsezahlen stattgefunden haben.

Eigene Abbildung basierend auf den NWO Zahlen.

Kommen wir zu den aktuellen Zahlen von Kanada-, Grau und Nilgans. Wichtig ist hier, dass für die Berechnung der Trends Korrekturen durchgeführt wurden, um die unvollständige geografische Abdeckung der Erhebung zu korrigieren. 

Das Populationswachstum bei der Kanadagans scheint in den letzten Jahren abzuflachen und die geschätzten Bestandszahlen lagen im Jahr 2025 bei 15 500 Individuen. Für diese Verlangsamung kann es mehrere Erklärungen geben. Es könnte sein, dass  die Kanadagänse langsam aber sicher alle für sie passenden Habitate besetzt haben. Es kann aber auch sein, das Jagd, Prädation und Krankheiten ihr weiteres Wachstum beschränken.

Bei der Graugans wurde für das Jahr 2025 ein Bestand von 47 000 geschätzt. Seit 2021 zeigte sich ein stetiger Zuwachs. Bemerkenswert ist, dass die Graugans den mit Abstand größten Anteil der Sommergänse ausmachen, obwohl z.B. der Kanadagans in der Berichterstattung weitaus mehr Raum eingeräumt wird. Trotz geringerer Individuenzahlen scheint die Kanadagans zu weitaus mehr Konflikten mit Menschen zu führen als die Graugans.

Die Nilgans machte einen ordentlichen Satz von unter 10 000 in 2024 auf 11 700 Individuen in 2025. 

Einen spannenden Aspekt, den ich aus eigener Erfahrung ergänzen möchte, betrifft die Wahl der Bruthabitate der Kanadagänse. Nach meinen eigenen (sehr limitierten) Beobachtungen scheinen Inseln in Seen ein bevorzugtes Bruthabitat zu sein, wie z.B. in Duisburg. Es gibt in der Tat Studien, die Inseln als wichtiges Bruthabitat bestätigen (Carbaugh 2010). Ein Hauptgrund hierfür ist der Schutz vor Prädation der Gelege. Dies kann potentiell zu einem Konflikt mit dem Naturschutz führen, wenn es sich um Inseln in einem Naturschutzgebiet handelt.

Die Gänse gehören in unserer Landschaft zu den größeren Wildtieren und prägen diese dementsprechend, auch durch ihre markanten Rufe. Es wird spannend sein zu sehen, wie Menschen und Gänse gemeinsam hier Leben. 


Die Folgenden Abbildungen sind aus dem NWO Bericht übernommen.

Bestandstrends von Kanadagans, Graugans, Nilgans und Rostgans seit 2011. Dargestellt sind die geschätzten Bestände (dicke Linie), mit Standardfehler (SE) sowie die tatsächlich erfassten Summen (gestrichelte Linie) nach Tab. 1 (Fortsetzung nächste Seite).

Literatur

Carbaugh, J. S., Combs, D. L., & Dunton, E. M. (2010). Nest-site selection and nesting ecology of giant Canada geese in central Tennessee. Human–Wildlife Interactions, 4(2), Article 8. https://doi.org/10.26077/cv0k-5976

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