Streifenkulturen zur Verknüpfung von ökonomischer Effizienz und Biodiversität? Ein Interview mit Dr. Roman Kemper

Biologische Vielfalt und ökonomische Effizienz in der Landwirtschaft scheinen in einem harten Widerspruch zu stehen. Über die letzten Jahrzehnte wurden die Felder und landwirtschaftlichen Betriebe immer größer, während sich die Zahl der Kulturpflanzen und wild vorkommender Arten immer weiter reduzierte. Ist dieser Zusammenhang wirklich unausweichlich?

In dieser Folge spreche ich mir Dr. Roman Kemper von der Universität Bonn über das Thema Streifenkulturen in der Landwirtschaft. Mischkulturen werden bei uns in Europa üblicherweise extensiv auf Standorten mit niedrigem Ertragspotential und überwiegend in der Biolandwirtschaft angebaut. Dabei werden die Mischungen als Gemenge angebaut, d.h. Sie werden gemeinsam in einer Reihe ausgesät. Außerdem werden diese Gemenge fast ausschließlich für die Futtermittelproduktion genutzt. Dies begrenzt das Potential von Mischkulturen auf eine Nische in der Nische (Extensiv>Bio>Futtermittel).

Streifenkulturen sind eine spezielle Form von Mischkulturen, die in anderen Regionen der Welt (Nordamerika, China) schon eine weitere Verbreitung gefunden haben. Im Rahmen des Forschungsprojektes Diarnika an der Universität Bonn erforscht Roman die Grundlagen der Streifenkulturen in dem Kontext unserer europäischen Landwirtschaft. Eine zentrale Forschungsfrage ist, welche Kulturpflanzenarten sich hier gut als Kombination in Streifenkulturen eignen. In Streifenkulturen können landwirtschaftliche Techniken jeweils auf die in den Streifen kombinierten Kulturpflanzenarten optimiert werden. Beispielhaft genannt seihen Aussaat, Unkrautbekämpfung, Düngung und Ernte. Außerdem eignen sich Streifenkulturen potentiell auch für Hochertragsstandorte und eine intensive Kulturführung. Damit haben diese Systeme das Potential Mischkulturen aus der Nische in den landwirtschaftlichen Mainstream zu führen. Streifenkulturen sind ein Kandidat für landwirtschaftliche Anbausysteme, die ökonomische Effizienz und Biodiversität zusammenführen könnten. Hierfür ist aber noch einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit notwendig.